We came home – ein Kinobesuch

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Gemeinsames Ausspannen

Wie wichtig Freizeitaktivitäten im Leben von Flüchtlingen in Bad Vilbel sind, die in Gemeinschaftsunterkünften leben, schildert der folgende Bericht von Susanne Ebner, die zusammen mit einer weiteren ehrenamtlich engagierten Helferin, einen gemeinsamen Ausflug organisiert hatte:

„Einige der jungen Flüchtlinge aus dem Georg-Muth-Haus drehen manchmal ziemlich am Rad, weil es mit dem Spracherwerb und den Behörden nicht so recht vorangeht und es oft auch einfach furchtbar langweilig in der provisorischen Unterkunft ist. Manchmal wirkt ein kleiner Ausflug dann Wunder. Deshalb haben wir, zwei ehrenamtliche Helferinnen, uns mit zwei Autos und acht jungen afghanischen Männern aus dem Muth-Haus nach Offenbach aufgemacht. Das dortige Kulturzentrum „Hafen 2“ engagiert sich sehr für Flüchtlinge und zeigt u.a. regelmäßig donnerstags Filme für Flüchtlinge in ihren Muttersprachen.

Zufällig hatte ich bei einem Konzertbesuch entdeckt, dass der Film „We came home“ von der jungen amerikanischen Musikerin Ariana Delawari gezeigt werden sollte – in Englisch und Dari – und da Musik bekanntlich gut für die Seele ist, war schnell klar, dass wir dort hinfahren würden.

Ariana Delawari hat afghanische Wurzeln, ist zwar in Los Angeles geboren, aber ihr Vater hat sich zeitlebens in den USA öffentlich für die Demokratie in Afghanistan engagiert. Schließlich ist er 2002 nach dem Ende der Talibanherrschaft zurück nach Kabul gegangen, um das dortige Finanzsystem zu modernisieren. Besuche bei den Eltern schafften die Grundlage für ein gemeinsames Musikprojekt von Ariana Delawari mit amerikanischen Freunden und afghanischen Musikern, um das es in diesem Film geht.

filmabend-1Die jungen afghanischen Flüchtlinge sind sofort Feuer und Flamme, als sie von dem geplanten Kinobesuch erfahren und brennen darauf, ihre Heimat in Bildern wiederzusehen. Vor dem Film sitzen wir entspannt bei guter Stimmung in der goldenen Abendsonne am Main auf einer Wiese zwischen Schafen und Gänsen – mit Blick auf eine Beach-Area und eine kleine Bühne. Wir trinken etwas, unterhalten uns und machen Fotos. Dann werden wir als Gruppe eigens herzlich vom Organisator des Filmsparte begrüßt und sogar ein Dolmetscher ist anwesend und übersetzt auf Dari, der offiziellen Landessprache in Afghanistan.

Der sehr persönliche Ansatz des Films, der sich aus Interviews mit den Protagonisten, vielen Familienfotos und -filmen sowie dem 4-tägigen Treffen der Musiker im improvisierten Musikstudio im Elternhaus der Musikerin ergibt, lässt eine sehr intime Stimmung entstehen. Im Kontrast dazu stehen die dokumentarischen Szenen des afghanischen Alltags und der Flüchtlingslager am Rande von Kabul.

Höhepunkt des Films ist die Annäherung der Musiker beider Kulturen, ohne dass sie eine gemeinsame Sprache sprechen – nur die Musik wirkt als Kommunikationsmittel und verbindet. Die afghanischen Instrumente Robab, Tabla und Delroba treffen auf westliche Akustikgitarre, Geige und Keyboard – einige Jahre früher wären die afghanischen Musiker von den Taliban gehängt worden, weil sie gegen die Regeln verstoßen und ihre Instrumente gespielt hätten. Heraus kommen wunderschöne Aufnahmen, die später in den USA unter Mitwirkung von Regisseur David Lynch perfektioniert werden und schließlich veröffentlicht werden.

Die jungen afghanischen Flüchtlinge aus Bad Vilbel sind sehr berührt von dem Film, der ihnen die Heimat plötzlich wieder so nahe gebracht hat – auch einige Tränen fließen. Sind sie doch bereits seit einem Jahr von zu Hause weg und unvermittelt wieder mittendrin. Da kommen Gefühle hoch. Aber die Musik hat sie begeistert und es sind gute Tränen. Auf der Rückfahrt hören wir in friedlicher Stimmung den wunderschönen Titelsong „We came home“ und beim Abschied vor dem Georg-Muth-Haus heißt es fröhlich und für uns ganz ungewohnt wieder in Dari „Taschakor“ – Danke!

Autorin: Susanne Ebner, Integrationspatin im Georg-Muth-Haus und Vereinsmitglied

Weitere Veranstaltungsinformationen – auch für Flüchtlinge – unter: www.hafen2.net

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